NESTHÄKCHEN

 

Pädagogische Schwerpunkte

 

  • geregelter Tagesablauf, Wochenplan, feste Jahresstruktur

  • Entwicklungsförderung in den Bereichen Motorik, Sprache, soziale Kompetenzen

  • wöchentliches Turnen

  • Förderung durch Kreativität

  • Spielen im Freien

  • gesunde Ernährung und Gesundheitserziehung

  • regelmäßige Fortbildungen

                                                


Ausführliches Konzept

1. Vorwort

2. Über uns

3. Rahmenbedingungen

3.1. Räumlichkeiten

3.2. Außengelände

3.3. Betreuungszeiten, Schließungszeiten, Vertretungsregelung

3.4. Tagesablauf

3.5. Eingewöhnungsphase

4. Pädagogische Ziele und Methoden

5. Bildungsauftrag im pädagogischen Alltag

5.1. Bewegung

5.2. Körper, Gesundheit und Ernährung

5.3. Sprache und Kommunikation

5.4. Soziale und kulturelle Bildung

5.5. Musisch-ästhetische Bildung

5.6. Religion und Ethik

5.7. Mathematische Bildung

5.8. Naturwissenschaftlich-technische Bildung

5.9. Ökologische Bildung

5.10. Medien

6. Kinderrechte, Partizipation, Inklusion

7. Beobachtung und Dokumentation

8. Zusammenarbeit mit den Eltern

9. Abschied – Übergang in eine Kindertagesstätte

10. Kooperationspartner

11. Fort- und Weiterbildungen



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1.Vorwort


Die Kindertagespflege richtet sich in erster Linie an Kinder im Alter von 0-3 Jahren und

bietet qualifizierte Betreuung, bei der die individuellen Bedürfnisse besonders

berücksichtigt werden können. In diesem Konzept möchten wir die pädagogische Arbeit

in der Großtagespflegestelle „Nesthäkchen“ vorstellen. Anregungen und Hinweise aber

auch Kritik sind jederzeit erwünscht und unterstützen uns in der Selbstreflexion unserer

Arbeit und ermöglichen somit eine lebendige Qualitätssicherung. Dieses Konzept ist als

Prozess zu verstehen, der ständig im Fluss ist und kontinuierlich weiterentwickelt wird.

2. Über uns


Elisabeth Rahmani

Geboren 1972 in Polen, lebe ich seit 1985 in der Bundesrepublik Deutschland. Nach

Beendigung der Realschule habe ich eine Lehre zur Arzthelferin bei einer Kinderärztin

abgeschlossen. Nachdem ich an einem Abendgymnasium das Abitur nachgeholt habe,

studierte ich Heilpädagogik an der evangelischen Fachhochschule in Bochum.

Anschließend arbeitete ich ein Jahr (Berufsanerkennungsjahr) am Institut für

Jugendhilfe in Duisburg. Diesem schloss sich eine dreijährig Berufstätigkeit bei einem

niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater ebenfalls in Duisburg an. 2003

heiratete ich meinen Ehemann und bekam ein Jahr später unsere erste Tochter. Der

dreijährigen Elternzeit folgte die Geburt meiner zweiten Tochter im Jahr 2007. Bereits

während meiner Elternzeit lernte ich das Tätigkeitsfeld einer Tagesmutter kennen und

beschloss selbst eine zu werden. 2009 absolvierte ich einen Qualifizierungskurs zur

Kindertagespflegeperson. Bis zur Anmietung einer separaten Wohnung arbeitete ich ab

Januar 2010 für neun Monate in unserer Privatwohnung. Die extra angemieteten Räume

im Stadtteil Huttrop nutzte ich zunächst alleine mit fünf Tageskindern und später mit

einer Kollegin, mit der ich gemeinsam 9 Tageskinder innerhalb einer

Großtagespflegestelle betreute. Nach fünf Jahren Tätigkeit in einem Verbund wechselte

ich in die Einliegerwohnung in unserem neuen Eigenheim im Stadtteil Frillendorf.

Seitdem arbeitete ich wieder für zwei Jahre alleine mit fünf Tageskindern. Seit August

2019 teile ich mir die Verantwortung für die Nesthäkchen mit meinem Ehemann.


Farhad Rahmani

Ich bin 1965 im Iran geboren und lebe seit 1994 in der Bundesrepublik Deutschland. Im

Iran war ich Goldschmied. In meiner neuen Heimat absolvierte ich eine Umschulung

zum Industriemechaniker und arbeitete viele Jahre in der Metallindustrie. Durch die

Tätigkeit meiner Ehefrau als Kindertagespflegeperson lernte ich diesen Beruf hautnah

kennen und schätzen. Schließlich entschied ich mich auch dafür und machte 2019 einen

Qualifizierungskurs zur Kindertagespflegeperson beim Diakoniewerk Essen.


3.1 Räumlichkeiten:


Die Frillendorfer Höhe im Stadtteil Frillendorf befindet sich in einer ruhigen

Wohnsiedlung und bietet ausreichend Parkplatzmöglichkeiten. Unser Mehrfamilienhaus

hat drei Etagen. Das Dachgeschoss bewohnen unsere beiden Töchter. Die Wohnung in

der ersten Etage ist 55 qm groß und wurde ausschließlich auf die Bedürfnisse der

Tagespflege ausgerichtet. Im Erdgeschoss befindet sich neben unseren Privaträumen

ein weiteres Spielzimmer. Durch die günstige Raumaufteilung ist sichergestellt, dass die

Kinder viel Platz für Bewegung haben. Die Funktionsbereiche sind übersichtlich

gestaltet, so dass sie auch für ein-bis dreijährige Kinder leicht zu erfassen sind.

Raumaufteilung Obergeschoss:

• Spielzimmer mit einer abgetrennten Puppenecke, Leseecke, Bauecke

• Tobe-, bzw. Schlafraum: da dieser Raum komplett mit Matratzen ausgelegt, mit

verschiedenen Polsterelementen, einer Sprossenwand, einer Rutsche und einer

Hängematte ausgestattet ist, kann hier getobt, geklettert, gerutscht, geschaukelt

uvm. werden. In der Mittagszeit verwandelt sich der Toberaum in einen

gemütlichen Schlafraum.

• Kreativzimmer/Küche: eine große Küche bietet Platz für alle Kreativangebote und

für gemeinsame Mahlzeiten (Frühstück, Obstmahlzeit, Mittagessen). Hier kann

an dem kindgerechten Tisch gepuzzelt, gespielt, gebastelt, gemalt und gegessen

werden.

• Flur: auch der Flur lädt zum Spielen ein; es gibt einen großen Spiegel, ein

Dominospiel und Wandspielelemente.

• Badezimmer: hier werden die Zähne geputzt, Hände gewaschen, die Kleinen

gewickelt, die Großen können zur Toilette gehen.

Raumaufteilung Erdgeschoss:

• Treppenhaus: Garderobe für Jacken, Schuhe, Matschhosen, Gummistiefel

• Spielzimmer: ein umgebautes Hochbett bietet zwei Spielebenen, eine

Sprossenwand fordert zum Klettern auf, ein großes Parkhaus lässt die Herzen

aller Autofans höher schlagen. Der selbstgebaute Tisch kann je nach Bedarf

weggeklappt werden.

• Flur: sechs abwechslungsreiche Wandspielelemente und eine große Magnettafel

machen den Flur spannend.


3.2 Außengelände


Das Grundstück, auf dem sich unser Haus befindet ist zweigeteilt. Dadurch steht den

Nesthäkchen ein eigener Gartenteil zur Verfügung. Hier ist neben dem Sandkasten eine

selbstgebaute Matschküche und ein Wipptier. Das Gartenhäuschen beherrbergt vielerlei

Spielsachen, wie z. Bsp. Rutschfahrzeuge, Puppenwagen, Sandspielzeuge, Bälle,

Plantschbecken uvm. Auch unser großer Kinderbus findet darin Platz, mit dem wir mobil

sind und Ausflüge in die nähere Umgebung machen können. In der unmittelbaren Nähe,

keine 100 m entfernt, befinden sich zwei Spielplätze (Waterfohrplatz und Palmstraße),

die viel Abwechslung bieten.


3.3 Betreuungszeiten, Schließungszeiten, Vertretungsregelung


In unserer Großtagespflegestelle betreuen wir neun Kinder von Montag bis Freitag in

den Zeiten von 7.30 Uhr bis 15.30 Uhr. Der Urlaub/die Schließungszeiten sind an die

Schulferien gebunden, betragen 4-6 Wochen im Jahr und werden Ende eines jeden

Jahres für das Folgejahr festgelegt und bekannt gegeben. Im Krankheitsfall findet

Vertretung durch eigenes Personal des Fachverbandes statt.


3.4 Tagesablauf/Wochen- und Jahresstruktur



Ein strukturierter Tagesablauf gibt Sicherheit und Orientierung. Unser Tag beginnt um

7.30 Uhr. Die Kinder kommen nach und nach in die Einrichtung und können erst einmal

frei spielen und die Ankunft der anderen erleben. Sie helfen beim Decken des

Frühstückstisches. Um 8.30 Uhr frühstücken wir gemeinsam. Anschließend werden

Zähne geputzt. Zwischen 9.00 Uhr und 11.30 Uhr ist Spielzeit. Sie wird mit einem

Morgenkreis eingeläutet. Dabei begrüßen wir uns, singen Lieder, die zum Mitmachen

einladen und machen Bewegungsspiele. Es folgen verschiedene Angebote z.B.: Malen

mit unterschiedliche Maltechniken, Kneten, Basteln, Fädeln, Puzzeln, Rollenspiele,

Turnen/Toben usw. Nicht nur bei schönem Wetter gehen wir nach draußen, um

Abenteuer zu erleben und Naturerfahrungen zu machen. Kurz bevor die Mittagsruhe

beginnt gibt es um 11.30 Uhr eine Obstmahlzeit. Um 12.00 Uhr gehen alle Kinder

schlafen. Spätestens um 13.45 Uhr ist Weckzeit. Gemeinsam nehmen wir dann die

frisch zubereitete Mahlzeit zu uns. Bevor alle Kinder abgeholt werden, machen wir einen

kurzen Abschlusskreis, in dem einige Lieder und ein Abschiedslied gesungen werden.

Zwischen 14.30 Uhr und 15.30 Uhr ist Abholzeit.

Während der Woche werden die Spielzeitangebote sehr abwechslungsreich gestaltet.

Wir variieren zwischen Kreativ- und Bewegungsangeboten (drinnen und draußen) und

Phasen des Freispiels. Projektarbeit ermöglicht ein ganzheitliches Lernen. So

bearbeiten wir, z. B. das Thema „unser Körper“, indem wir Bilderbücher betrachten und

lesen, uns lebensgroß malen, den Arztkoffer besonders in das Spiel einbinden,

passende Kinderlieder singen usw.

Im Jahresverlauf feiern und beschäftigen wir uns thematisch mit allen anfallenden

Festen, wie z.B. Geburtstage der Tageskinder, Karneval, Ostern, Sankt Martin,

Nikolaus, Weihnachten. Im Sommer gestalten wir ein Sommergrillfest, bei dem wir die

Kindergartenkinder verabschieden.

Zweimal im Jahr findet ein Elternabend statt. Dabei können der bisherige Verlauf der

Tagespflege reflektiert, Organisatorisches besprochen, Wünsche und Anregungen

geäußert werden. In einer entspannten Atmosphäre haben dann alle die Gelegenheit,

sich noch besser kennen zu lernen und auszutauschen.


3.5 Eingewöhnungsphase


Die Eingewöhnung läutet für die Kinder und ihre Eltern einen neuen Lebensabschnitt,

der auch mit Ängsten verbunden ist, ein. In erster Linie bestimmen die Kinder und ihre

Eltern wann die Trennung vollzogen werden kann. Denn nur wenn beide Teile loslassen

können, kann sich eine tragfähige Beziehung entwickeln. Dies kann nur ohne zeitlichen

Druck erreicht werden. Bei der Vorgehensweise orientieren wir uns am „Berliner

Modell“. Eine Eingewöhnung kann folgendermaßen gestaltet werden: Das Kind kommt

in den ersten Tagen mit einer engen Bezugsperson (i.d.R. der Mutter) für einige

Stunden in die Einrichtung. Dabei sollen Mutter und Kind die Tagesmutter und den

Tagesvater in Aktion, die anderen Kinder und die Tagesabläufe gut kennen lernen. Ab

dem vierten Tag wird versucht eine kurze Trennung (ca. 30 Minuten) zu erreichen. Die

Eltern sind dabei in einem anderen Raum innerhalb der Einrichtung. Wenn dies

erfolgreich verlaufen ist, wird die Zeitdauer schrittweise gesteigert. Zusätzlich verlassen

die Eltern die Räumlichkeiten. Die Eingewöhnung ist erfolgreich verlaufen, wenn das

Kind sich von der Tagespflegeperson wickeln, füttern, zum Mittagsschlaf legen und

trösten lässt.


4. Pädagogische Ziele und Methoden


Unser Hauptanliegen besteht darin, kompetent und liebevoll die Entwicklung der Kinder

zu eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu fördern und die

Familien in ihrer Berufstätigkeit und ihrer Erziehungsaufgabe partnerschaftlich zu

unterstützen. Unsere pädagogische Arbeit orientiert sich an der Gesamtpersönlichkeit

des Kindes mit seinen körperlichen und seelischen Befindlichkeiten und bezieht seine

tatsächliche Lebenssituation mit ein. Das Kind steht im Mittelpunkt und wird in seiner

Gesamtentwicklung gefördert und begleitet. Wir arbeiten in Anlehnung an den

Grundgedanken der Montessoripädagogik:

„Hilf mir, es selbst zu tun. Zeig mir wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es

allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht

brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler zu,

denn aus ihnen kann ich lernen.“


Im Laufe der Jahre und durch die Teilnahme an vielen verschiedenen Fortbildungen

haben auch andere namhafte Pädagogen unsere tägliche Arbeit bereichert:

So hat Maria Aarts mit der durch Sie entwickelten Methode Marte Meo (aus eigener

Kraft) einen sehr positiven Einfluss auf die Gesamtatmosphäre in unserer Einrichtung

bewirkt. Sie orientiert sich an den positiven Ressourcen der Menschen und hebt

besonders die Basiselemente zu entwicklungsunterstützenden Kommunikation hervor

(vgl. www.martemeobodensee.de):

• das gute Gesicht

• die attraktive Stimme

• die wohlwollende Atmosphäre

• fester, haltspendender Rahmen

• klarer Anfang, klarer Prozessablauf, klarer Schlusspunkt


Auch Jesper Juul mit seinem Paradigmenwechsel von der Gehorsamskultur zu einer

Erziehung auf der Basis von vertrauensvoller Beziehung und Begegnung auf

Augenhöhe (Beziehung statt Erziehung) fand Einzug in unsere pädagogische Arbeit.

Dabei helfen uns die vier Grundwerte, an denen wir uns orientieren(vgl. Handout zur

Fortbildung „Vier Werte, die die Beziehung zu Kindern erleichtern“, beim Diakoniewerk

Essen, am 06.02.2020, Referentin: Nadine Kempkes):

I. Gleichwürdigkeit – die Bedürfnisse und Gefühle aller, egal ob Kind oder

Erwachsener, werden ernst genommen; wir sind gleichwertige Menschen

II. Integrität – jeder von uns hat seine eigene Integrität: eigene Bedürfnisse,

Wünsche, Vorstellungen und Grenzen und versucht diese zu wahren und danach

zu handeln. In zwischenmenschlichen Beziehungen und Gemeinschaften muss

jeder lernen sich anzupassen und zu kooperieren, ohne in der persönlichen

Integrität verletzt zu werden und andere zu verletzen.

III. Persönliche Verantwortung – jeder trifft seine persönliche Entscheidung, gemäß

seiner Integrität: die Kindertagespflegeperson entscheidet, was sie für richtig und

wichtig hält, drückt es in Ich-Botschaften aus und übernimmt dafür die

persönliche Verantwortung. Das Kind entscheidet auch, z. B. ob es etwas essen

mag oder nicht oder ob es zum Abschied einen Kuss gibt oder eben nicht und

übernimmt dafür die persönliche Verantwortung

IV. Authentizität – das bedeutet für uns glaubwürdig zu sein, sich so zu zeigen wie

man ist: echt und unverstellt.


5. Bildungsauftrag im pädagogischen Alltag


„Kinder möchten sich ein Bild von der Welt machen. Niemand sonst kann dies für sie

tun. So betrachtet ist Bildung Selbstbildung“ (vgl. Bildungsgrundsätze NRW für Kinder

von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und Schulen im Primarbereich, Hrsg.

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, NRW, Seite 17).

Voraussetzung für Bildung ist eine feste Bindung (vgl. ZET 2/2018, Seite 8 f).

Unsere Aufgabe sehen wir darin, zu den Kindern eine enge Bindung aufzubauen und

eine anregende Umgebung zu bieten, in der sie viel zu entdecken, erfinden und

erforschen haben, um sich ein umfassendes Bild von der Welt machen zu können.

Dabei werden in den Bildungsgrundsätzen von NRW folgende Bildungsbereiche

unterschieden:





















Quelle: Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und Schulen im

Primarbereich, Hrsg. Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, NRW


5.1. Bewegung


Kinder haben ein natürliches Bedürfnis sich zu bewegen und so ihre Welt zu erobern.

Sie strampeln, kriechen, krabbeln, rennen, springen, klettern, toben, hüpfen, heben,

schieben und noch viel mehr. Damit bilden sie ihren Körper mit seinen grob- und

feinmotorischen Fähigkeiten immer mehr aus. Gleichzeitig fördert Bewegung nicht nur

die körperliche, sondern auch die geistige Entwicklung der Kinder (vgl.

Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und

Schulen im Primarbereich, Hrsg. Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und

Sport, NRW, Seite 78 ff). Aus diesem Grund ist eine bewegungsfreudige Umgebung in

der Kindertagespflegestelle, Bewegungsspiele und Bewegungslieder, das Spielen

draußen im Garten, auf Spielplätzen und in der Natur besonders förderlich.


5.2. Körper, Gesundheit und Ernährung

Kinder erkunden ihre Welt mit ihrem ganzen Körper, mit all ihren Sinnen, durch das

Tasten, Schmecken, Riechen, Sehen, Fühlen. Dafür brauchen sie Spiele und

Erfahrungen, die die Sinne anregen (vgl. Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von 0 bis

10 Jahren in Kindertagesbetreuung und Schulen im Primarbereich, Hrsg. Ministerium für

Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, NRW, Seite 84 ff). Gesunde Ernährung mit

viel Obst und Gemüse, selbstgekochtes ausgewogenes Mittagessen und Naschwerk als

besondere Ausnahme sind für eine gute körperliche Entwicklung wichtig. Durch das

Zähneputzen, Händewaschen lernen Kinder langsam, die Verantwortung für ihre

Gesundheit zu übernehmen.


5.3. Sprache und Kommunikation


Sprache ist ein wichtiger Teil unserer Gesamtentwicklung. Ein Kind kann nur dann

sprechen lernen, wenn es Menschen um sich hat, die ein gutes Sprachvorbild sind,

liebevoll mit dem Kind spricht, dem Kind zuhört und seine Äußerungen ernst nimmt.

Fördern kann man die Sprache, indem man alles was man tut sprachlich begleitet,

Bilderbücher betrachtet, singt, Tiergeräusche nachahmt, Geräusche erfindet (vgl.

Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und

Schulen im Primarbereich, Hrsg. Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und

Sport, NRW, Seite 92ff).


5.4. Soziale und kulturelle Bildung


Selbstvertrauen ist die Grundvoraussetzung, um offen und tolerant gegenüber anderen

Menschen und Kulturen zu sein. Selbstvertrauen entwickeln Kinder, wenn ihnen

Erwachsene selbst mit Wertschätzung, Respekt und Einfühlungsvermögen begegnen

(vgl. Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung

und Schulen im Primarbereich, Hrsg. Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und

Sport, NRW S. 102). In der Kindertagespflege lernen Kinder in der Auseinandersetzung

mit sich selbst und mit anderen Kindern, die Verantwortung für ihr Handeln zu

übernehmen, ein Teil einer Gemeinschaft zu sein und erleben verschiedene kulturelle

Bräuche und Rituale.


5.5. Musisch-ästhetische Bildung


Kinder erkunden ihre Welt mit allen ihren Sinnen (Ästhetik=Lehre von der

Wahrnehmung). Durch die kreative Beschäftigung mit verschiedenen Materialien

können sie sehen, riechen, schmecken, fühlen, spüren. Sie lieben es, Geräusche, Töne

und Klänge zu hören oder selbst zu erzeugen. Durch Musik werden die Sinne auf

verschiedene Weise angesprochen, es entstehen Bilder im Kopf, Gefühle, für die man

keine Worte kennt, können ausgedrückt werden. Musik, Rhythmik, Sprache und

Bewegung gehören zusammen (vgl. Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von 0 bis 10

Jahren in Kindertagesbetreuung und Schulen im Primarbereich, Hrsg. Ministerium für

Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, NRW S. 106).


5.6. Religion und Ethik


Wenn Kinder die Welt erforschen, stellen sie Fragen nach dem Anfang und dem Enden,

nach dem Woher, Wohin und Wozu (vgl. Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von 0 bis

10 Jahren in Kindertagesbetreuung und Schulen im Primarbereich, Hrsg. Ministerium für

Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, NRW S. 110ff). Diese können im

Zusammenhang mit Religion, Glauben oder anderen ethischen Weltanschauungen

beantwortet werden. Im pädagogischen Alltag können Feste und Rituale aus

verschiedenen Religionen gefeiert werden. Hierbei geht es auch um Vermittlung von

Werten und Normen.


5.7. Mathematische Bildung


Im alltäglichen Forschen und Experimentieren entdecken Kinder die Welt der

Mathematik und machen erste Erfahrungen mit Zahlen und Formen. Kinder nehmen

beim Klettern, Toben und Verstecken verschiedene räumliche Perspektiven ein und

experimentieren beim Bauen mit geometrischen Formen. Sie ordnen nach Farben und

Formen, nach Größe und Gewicht, vergleichen und benennen. Muster werden

kennengelernt, entdeckt und neu erfunden. Sie lernen erste Ordnungssysteme kennen,

wie z.B. den Tagesablauf, Wochentage, Geburtstagskalender usw. (vgl.

Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und

Schulen im Primarbereich, Hrsg. Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und

Sport, NRW S 116ff).


5.8. Naturwissenschaftlich-technische Bildung


Kinder sind neugierig und möchten gerne wissen wie etwas funktioniert. Sie möchten

Zusammenhänge und unsere Welt verstehen lernen. Diese können in der Natur

beobachtet werden oder durch das freie Experimentieren selbst herausgefunden

werden (vgl. Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von 0 bis 10 Jahren in

Kindertagesbetreuung und Schulen im Primarbereich, Hrsg. Ministerium für Familie,

Kinder, Jugend, Kultur und Sport, NRW, Seite 118ff).


5.9. Ökologische Bildung


Hierbei geht es darum, den Kindern zu erklären und beizubringen, dass Menschen,

Tiere und Pflanzen gemeinsam die Erde bewohnen und sich gegenseitig brauchen. Die

Kinder sollen ein Bewusstsein für Umweltschutz entwickeln (vgl. Bildungsgrundsätze

NRW für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und Schulen im

Primarbereich, Hrsg. Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, NRW S.

124ff).


5.10. Medien


Kinder wachsen mit verschiedenen Medien auf und nutzen sie unterschiedlich. Dabei

gehören zu Medien nicht nur technische Geräte wie Fernsehen, Computer, Handy und

Internet. Beim Kennenlernen unserer Welt sind Medien wie Bücher, Bilder, Fotos,

Zeitungen, Radio, CDs und Hörspiele ein wichtiger Teil unsere Kultur (vgl.

Bildungsgrundsätze NRW für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und

Schulen im Primarbereich, Hrsg. Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und

Sport, NRW S. 128 ff). Hier spielen Eltern und Pädagogen eine wichtige Rolle, um eine

angemessene Medienkompetenz der Kinder zu fördern.


Praktische Umsetzung in unserer Kindertagespflege:



6. Kinderrechte, Partizipation, Inklusion


Kinderrechte

Alle Menschen haben Rechte. Aufgrund des besonderen Bedürfnisses nach Schutz,

Bildung und Erziehung haben Kinder ihre besonderen Rechte in der UNKinderrechtskonvention

festgeschrieben bekommen.



Diese 10 sind die zentralen Rechte der Kinder und selbstverständlich Grundlage

unseres Menschenbildes und damit unserer Arbeit.


Partizipation

Das Recht jedes Kindes, gehört und beteiligt zu werden, ist ein zentraler Baustein der

UN-Kinderrechtskonvention. Dabei spielen Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe, Religion,

Gesundheitszustand keine Rolle. Auch Säuglinge, Kleinkinder mit und ohne erhöhten

Förderbedarf haben einen eigenen Willen und können diesen ausdrücken, wenn nicht

sprachlich, dann doch durch Gestik, Mimik und körperlichen Ausdruck. Unsere Aufgabe

besteht darin, einfühlsam auf die Signale des Kindes zu achten, diese zu respektieren

und unser Handeln danach auszurichten. Auch das sprachliche Ankündigen und

Begleiten unserer Handlungen gehört zu einem kindgerechten Vorgehen, z. B. beim

Wickeln oder Anziehen. So kann sich das Kind darauf einstellen und mitwirken. Dadurch

wird unser Handeln transparent und vorhersehbar, das Kind fühlt sich ernstgenommen

und unserem Handeln nicht ausgeliefert. Kinder wollen mitwirken und mitentscheiden,

was und wieviel sie essen, was, womit und mit wem sie spielen, welches Buch

vorgelesen und welches Lied gesungen werden soll, ob sie im Winter gerade

Handschuhe brauchen oder eben nicht und und und. Es gibt unzählige Situationen, bei

denen Kinder ihrem Alter und ihrer Reife nach entsprechend in Entscheidungen

miteinbezogen werden können. Es gilt, die Bedürfnisse/Wünsche der Kinder

wahrzunehmen und Kompromisse zu schließen. Das schließt ein begründetes „Nein“

und ein Aufzeigen von Grenzen zum Schutz vor Gefahren und Überforderung als

verantwortungsbewusste Erziehung mit ein (vgl. ZeT 5/2016, S. 2 ff)


Inklusion

Aufgrund meines beruflichen Werdegangs, u. A. des Studiums der Heilpädagogik, ist

Inklusion eine Haltung, mit der wir gemeinsam unseren pädagogischen Alltag gestalten:

• alle Kinder werden gemeinsam gefördert.

• jedes Kind ist einzigartig und wird in seiner Individualität anerkannt und

wertgeschätzt.

• jedes Kind bekommt die Zeit, die es für seine Eingewöhnung und Entwicklung

braucht.

• alle Kinder können an allen Aktivitäten, Aktionen und Projekten gemeinsam

teilnehmen.

• es gibt keine Ausgrenzung

• der Alltag mit dem Kind orientiert sich nicht an dessen Schwächen, sondern

vielmehr an den Stärken und Interessen eines jeden Kindes, dessen individuellen

Lern- und Entwicklungstempos. Ihre Kompetenzen in der sprachlichen und

kognitiven Entwicklung werden im Spiel und im sozialen Miteinander gestärkt.

• der Umgang zwischen allen an der Kindertagespflege beteiligten, den Kindern

untereinander, zwischen Kind und Tagespflegeperson, zwischen Tagesperson

und Eltern und zwischen Tagespflegeperson und Fachverband ist geprägt durch

Respekt, Vertrauen und Wertschätzung


7. Beobachtung und Dokumentation


Kinder beim Spielen zu beobachten macht nicht nur Spaß sondern ist ein wichtiges

Mittel um die tägliche pädagogische Arbeit zu reflektieren und zu planen. Anhand von

Fotos, Sammelmappen und Beobachtungsbögen wird der Entwicklungsverlauf

dokumentiert und dient als Grundlage für Selbstreflexion und Entwicklungsgespräche

mit den Eltern. Gleichzeitig ist es für die Familien von unschätzbarem Wert, die

gesammelten Werke und Fotos ihrer Kinder nach Hause mitzunehmen und zur

Erinnerung an eine wichtige Zeit aufzubewahren.


8. Zusammenarbeit mit den Eltern


Die Eltern vertrauen uns das Wichtigste ihres Lebens an: ihre Kinder. Damit sie es ohne

Angst und ohne schlechtes Gewissen tun können, brauchen sie die Sicherheit, dass es

ihren Kindern bei uns gut geht. Daher ist die Eingewöhnungsphase von großer

Bedeutung, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern. Hier entsteht die Basis für eine

vertrauens- und respektvolle Beziehung. Die Eltern lernen den Tagesablauf, die

Tageseltern, die anderen Kinder und ihre Eltern kennen, So wissen sie selbst aus der

Ferne zu jederzeit, wie ihr Kind den Tag verbringt. Wie der Tag dann gelaufen war,

erfahren die Eltern in kurzen Gesprächen beim Abholen ihrer Kinder. Ausführliche

Entwicklungsgespräche finden zweimal im Jahr zu einem gesonderten Termin und auf

der Grundlage unserer Entwicklungsdokumentation statt. Ebenfalls zweimal jährlich

findet ein Elternabend statt. Dabei erhalten die Eltern die Gelegenheit zum intensiven

Austausch mit uns und den Eltern anderer Kinder. Sie erfahren, wie das Jahr bis dahin

verlaufen war, welche Pläne für die nahe Zukunft geschmiedet wurden. Gemeinsam

diskutieren wir über Ziele und Methoden in der Erziehung ihrer Kinder und versuchen

gemeinsam Ursachen für Probleme und sinnvolle Lösungsmöglichkeiten zu finden. Das

jährliche Sommerfest ist gleichzeitig ein Abschiedsfest. Das Jahr in unserer

Kindertagespflegeeinrichtung orientiert sich am Kindergartenjahr. Die meisten Kinder

verlassen uns, wenn sie im Sommer in den Kindergarten wechseln. Dadurch

freigewordene Plätze werden neu vergeben. Unser Sommerfest wird von allen

gemeinsam gestaltet und gestemmt. Jeder trägt dazu bei, dass fürs leibliche Wohl

gesorgt wird. So tragen wir von Anfang bis Ende gemeinsam dazu bei, dass die

Kindertagespflege eine gelungene Betreuungsform für Kinder darstellt.


9. Abschied – Übergang in eine Kindertagesstätte


Die meisten Kinder verbringen in der Regel ein bis zwei Jahre in unserer Einrichtung.

Das ist eine sehr lange und intensive Zeit, in der eine sehr enge Bindung zwischen uns

und den Kindern entsteht. Dennoch ist spätestens im dritten Lebensjahr der Kinder für

alle spürbar, dass der nächste Schritt, nämlich der Wechsel in eine Kindertagesstätte,

nötig und wichtig ist. Darauf bereiten wir uns sehr gut vor. Die Kinder erleben, dass sie

in die verschiedenen Kindertagesstätten zum Kennenlernen gehen und viele Gespräche

sich um dieses Thema drehen. Auch in der Gruppe, im Singkreis, am Tisch, wird

darüber gesprochen. Es werden Bücher dazu gelesen und Lieder gesungen. Der

Höhepunkt ist dann ein gemeinsamer Besuch der zukünftigen Kindertagesstätte. Im

Sommer, kurz vor unserem Sommer-Abschiedsfest besuchen wir dann mit jedem Kind

seine neue Kita, in die es nach den Sommerferien kommt. Das Kind kann uns dann

seine Kita zeigen und gemeinsam vergleichen wir die neue Einrichtung mit den

Nesthäkchen, stellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus. Dabei lernen wir

nicht nur die Räumlichkeiten sondern auch die Erzieherin und ein paar neue Freunde

des Tageskindes kennen. Nicht desto trotz fällt der Abschied allen Beteiligten schwer

und es fließen reichlich Tränen.


10. Kooperationspartner


• fachliche Begleitung durch den Fachverband Diakoniewerk Essen

• Zusammenarbeit mit dem Jugendamt

• Kooperation mit dem Familienzentrum VKJ Zauberstern

• Mitgliedschaft in der Interessengemeinschaft der Kindertagespflege in

Essen e.V.

• Mitgliedschaft in der Bundesvereinigung der Kindertagespflegepersonen

e.V.


11. Fort- und Weiterbildungen


Tagespflegepersonen sind lt. Gesetz zu 12 Fortbildungsstunden pro Jahr verpflichtet.

Wir besuchen regelmäßig Seminare, die zu unserem Konzept und zu aktuellen Themen

der Tagespflege passen. Neben Fachseminaren nehmen wir an Treffen zur kollegialen

Beratung teil. Alle zwei Jahre werden der Erste-Hilfe-Kurs und eine Hygienebelehrung

absolviert.

Sich fortzubilden ist für uns eine Selbstverständlichkeit und keine gesetzliche

Notwendigkeit.



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